Spannung-Dehnungs-Kurve ohne ausgeprägte Streckgrenze

Neben dem bisher vorgestellten Werkstoffverhalten unter Zugbeanspruchung gibt es auch Werkstoffe, die keine ausgeprägte Streckgrenze aufweisen. Dies macht sich in einem kontinuierlichen Übergang vom elastischen zum plastischen Bereich bemerkbar. Eine Streckgrenze ist somit auch nicht deutlich erkennbar! Deshalb wird bei solchen Werkstoffen als analoge Grenzspannung häufig jene Spannung ausgewiesen, bei der der Werkstoff um 0,2 % plastisch verformt bleibt. Diese Grenzspannung wird dann als 0,2%-Dehngrenze \(R_{p0,2}\) bezeichnet. 

Spannungs-Dehnungs-Diagramm, ohne ausgeprägte Streckgrenze, 0,2-%-Dehngrenze, Vergleich

Abbildung: Spannungs-Dehnungs-Diagramm ohne ausgeprägte Streckgrenze

Die 0,2%-Dehngrenze erhält man graphisch dadurch, dass eine Parallele zur Hooke'schen Geraden durch den Punkt mit 0,2 % Dehnung gezogen wird. Der entstehende Schnittpunkt mit der Spannungs-Dehnungs-Kurve entspricht dann der gesuchten 0,2%-Dehngrenze. In Ausnahmefällen wird auch die 0,01%-Dehngrenze ausgewiesen, bei der der Werkstoff folglich eine bleibende Dehnung von 0,01 % davonträgt (\(R_{p0,01}\)).

Beachte: Im Gegensatz zur Streckgrenze, bei der der Werkstoff nach Wegnahme der Kraft keine bleibende Verformung davonträgt, bleibt bei der Werkstoff unter Beanspruchung bei der 0,2%-Dehngrenze um von 0,2 % verformt!