Bereich III - Erholung

Die aufgestauten bzw. an Gitterdefekten festgehaltenen Versetzungen im Bereich der Mehrfachgleitung können nur durch größere Spannungen hiervon wieder losgerissen werden. Die Versetzungen weichen an Hindernissen dann auch auf andere Gleitebenen aus. Im Falle von Schraubenversetzungen nennt man dieses Phänomen Quergleiten bzw. bei Stufenversetzungen Klettern. Die Versetzungen erschließen sich somit neue Möglichkeiten zu wandern. Aufgrund der neugewonnenen Bewegungsmöglichkeit vollzieht sich der Verformungsprozess nun wieder leichter. Deshalb werden in diesem Stadium wiederum nur noch geringere Spannungszuwächse benötigt um den Einkristall weiter zu verformen (Bereich III). Der Kristall hat sich sozusagen von der Blockierung der Versetzungsbewegung "erholt", weshalb dieser Bereich auch als Kristallerholung bzw. kurz als Erholung bezeichnet wird.

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Abbildung: Spannungs-Dehnungs-Diagramm

Irgendwann ist jedoch jener Punkt erreicht, wo der atomare Zusammenhalt den Spannungen im Material nicht mehr standhalten kann. Die Probe bricht schließlich (Bruch).

Wird der betrachtete Einkristall im Zugversuch räumlich so ausgerichtet, dass unter Belastung keine Gleitebene bevorzugt orientiert ist, so wird die kritische Schubspannung in mehreren unterschiedlichen Gleitebenen gleichzeitig überschritten. Somit liegt bereits zu Beginn der plastischen Verformung Mehrfachgleitung vor. In diesem Fall enfällt im Spannungs-Dehnungs-Diagramm der Bereich I. Dies wird im Allgemeinen auch für polykristalline Werkstoffe der Fall sein, da dort die einzelnen Kristallite (Körner) regellos orientiert sind. Somit liegt auch bei Polykristallen bereits zu Beginn Mehrfachgleitung vor. Auf diese Weise kann auch das Spannungs-Dehnungs-Diagramm dieser Werkstoffe erklärt werden.