Bereich I - Einfachgleitung

Wird der Einkristall über den Hooke'schen Bereich gedehnt, dann wird die kritische Schubspannung in den günstig orientierten Gleitebenen überschritten und die Versetzungen beginnen zu wandern. Die irreversible plastisch Verformungsvorgang setzt ein. Um den Verformungsprozess aufrecht zu erhalten, müssen die Versetzungen dann nur noch "am Laufen" gehalten werden. Der Verformungsprozess vollzieht sich deshalb ohne dass hierzu ein allzu großer Spannungszuwachs erforderlich wäre. Das Material verhält sich in diesem Zustand relativ "weich". Zusätzlich werden durch die Materialdehnung auch immer wieder neue Versetzungen eingebracht. Viele bewegliche Versetzungen bedeuten letztlich eine gute Verformbarkei, sodass sich der Verformungseffekt praktisch multipliziert. Die Kurve im Spannungs-Dehungs-Diagramm wird im Bereich I deshalb immer flacher. Da in diesem Bereich nur eine Gleitbewegung in einer Gleitebene vorliegt, nennt man diesen Bereich auch den Bereich der Einfachgleitung.

Spannungs-Dehnungs-Diagramm, Gleitebene, Gleitsysteme, Abgleitung, Verformung, Einkristall, Polykristall

Abbildung: Spannungs-Dehnungs-Diagramm

Anmerkung: Die Versetzungsmultiplikation führt im Extremfall sogar dazu, dass bei nahezu versetzungsfreien Einkristallen die Spannung nach Einsetzen des plastischen Verformungsprozesses sogar absinkt. Denn in einem solchen Fall müssen unter erhöhtem Kraftaufwand zunächst Versetzungen in nennenswertem Maße erzeugt werden. Erst wenn im (zuvor nahezu versetzungsfreien) Einkristall genügend Versetzungen vorhanden sind, kann der Verformungsvorgang bei nun geringerem Kraftaufwand bzw. geringerer Schubspannung fortgesetzt werden.

Im Anschluss an den Bereich der Einfachgleitung folgt die im nächsten Abschnitt erläuterte Mehrfachgleitung.