Spannung-Dehnungs-Diagramm

Wie anhand des unten abgebildeten Spannung-Dehnungs-Diagramms ersichtlich wird, hat ein gehärteter Stahl zwar rein formal einen höheren Festigkeitswert als ein vergüteter Stahl. Die größere Festigkeit hat allerdings keine praktische Bedeutung, da der gehärtete Stahl bereits bei geringen Verformungen bricht. Wenn also im Zusammenhang mit einem vergüteten Stahl von einer hohen Festigkeit die Rede ist, so ist dies stets bezogen auf das Ausgangsgefüge vor dem Abschrecken. Ein vergüteter Stahl zeichnet sich vor allem durch seine hohe Zähigkeit bei entsprechend erhöhter Festigkeit aus (bezogen auf das perlitische Ausgangsgefüge)!

Das abgebildete Spannung-Dehnungs-Diagramm zeigt das unterschiedliche Verhalten des Stahls C45 beim Zugversuch, nachdem dieser einmal gehärtet bzw. vergütet wurde. Die Kurven sind jeweils vor dem Hintergrund des normalgelühten Ausgangszustands zu interpretieren. Im Vergleich zum normalgeglühten Stahl besitzt der gehärtete Stahl zwar eine hohe Härte, jedoch eine geringe Zähigkeit bzw. geringe Dehnfähigkeit (Bruchdehnung). Der vergütete Stahl zeigt hingegen eine erhöhte Zähigkeit (im Vergleich zum gehärteten Stahl) bei gleichzeitig erhöhter Festigkeit (im Vergleich zum normalgeglühten Stahl).

Spannungs-Dehnungs-Diagramm, Zugversuch, gehärteter, vergüteter, normalgelühter, Stahl, C45

Abbildung: Spannungs-Dehnungs-Diagramm von C45

Die Fläche unter der Kurve als Maß für die Energieaufnahmefähigkeit zeigt, dass der vergütete Stahl wesentlich mehr Energie aufnehmen kann bevor er bricht als der gehärtete Stahl! Stähle, die sich aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung in besonderem Maße für das Vergüten eigenen, werden auch Vergütungsstähle genannt.