Kubisch-flächenzentriertes Gitter

Anders als im krz-Gitter finden sich im kubisch-flächenzentrierten Gitter (kfz) insgesamt 4 Gleitebenen wieder, auf denen die Gitterblöcke bevorzugt abgleiten. Es handelt sich dabei um die jeweils dichtestgepackten Ebenen, die diagonal durch die Elementarzelle verlaufen. Für jede dieser Gleitebenen ergeben sich dabei 3 Gleitrichtungen.

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Abbildung: Gleitebenen im kfz-Gitter

Beachte, dass sich das Abscheren nur in jene Richtung vollzieht, in der die Stapelfolge (ABCABC...) beibehalten wird. Denn durch ein Ändern der Stapelfolge (z.B. in ABAB...) würde bspw. aus einem kfz-Gitter partiell ein hexagonal-dichtestgepacktes Gitter werden. Dieser Zustand ist aufgrund der benötigten, hohen Kräfte nicht zu realisieren. Schließlich hat es ja einen (energetischen) Grund weshalb die Gitterstruktur bei dem betrachteten Werkstoff kubisch-flächenzentriert ist und nicht hexagonal. Das kfz-Gitter besitzt somit wie auch das krz-Gitter insgesamt 12 Gleitsysteme (= 4 Gleitebenen x 3 Gleitrichtungen).

Aufgrund derselben Anzahl an Gleitsystemen könnte man vorschnell den Schluss ziehen, dass beide Gitterstrukturen gleich stark verformbar sind. In der Praxis stellt man allerdings fest, dass das kfz-Gitter dennoch eine deutlich höhere Verformbarkeit zeigt. Grund hierfür ist, dass die Gleitebenen im kfz-Gitter im Vergleich zum krz-Gitter dichtest gepackt sind. Das „Herausheben“ der Atomblöcke aus den „Mulden“ erfordert im kfz-Gitter somit einen deutlich geringeren Energieaufwand als im krz-Gitter [fahre hierzu mit der Maus über die Abbildung]. Abgleitprozesse finden deshalb schon bei geringerem Kraftaufwand statt. Neben dem Hauptkriterium der Gleitsystemanzahl (Quantität) spielt auch die Güte der Gleitebenen (Qualität) für die Verformbarkeit eine Rolle.

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Abbildung: Vergleich der Gleitebenen

Anmerkung: Gleitebenen auf denen die Atome maximal dicht gepackt sind, werden auch als Hauptgleitebenen bezeichnet. Solche dichtest gepackte Ebenen sind im krz-Gitter nicht vorhanden (siehe Gitteraufbau)!